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Post aus Berg-Karabach
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Ende 2002 erhielt ich ein Einschreiben aus Stepanakert, der Hauptstadt von Berg-Karabach (siehe Abbildung). Dieser Brief wurde ausschließlich mit Karabach-Marken frankiert! Bemerkenswert ist dies, weil die Republik Berg-Karabach offiziell nicht anerkannt und kein Mitglied im Weltpostverein ist, und deren Briefmarken daher im internationalen Postverkehr eigentlich als illegal zu betrachten sind (worauf Aserbaidschan ja auch eifrig hinweist).
Mit dieser Begründung werden sie bisher bei MICHEL auch nicht katalogisiert. In der Praxis werden die Karabach-Marken jedoch durchaus auch für den Postverkehr ins Ausland verwendet (was der abgebildete Brief belegt). Sämtliche Postsendungen von und nach Berg-Karabach laufen über Armenien. Die meisten anderen Länder scheinen nach dem Motto zu handeln: "Die dort werden schon wissen, ob das legal ist." Ich habe jedenfalls inzwischen drei solche Einschreiben bekommen, von denen keines in irgendeiner Weise beanstandet worden ist.
Einschreiben aus Berg-Karabach, gestempelt am 9.12.2002 in Stepanakert, Laufzeit 14 Tage (der R-Klebezettel der Deutschen Post AG befindet sich übrigens auf der Rückseite statt auf der Frankatur...)
Historischer Hintergrund
Berg-Karabach (Karabach: türk. = "Schwarzer Garten") ist, kultur-historisch gesehen, armenisches Gebiet. Auch wenn es im Laufe seiner Geschichte islamischen Mächten wie dem Persischen Reich unterstand 1639 von den Türken an das Khanat Gjandscha abgetreten, einem Tributärstaat Persiens , so regierten dennoch in
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Artsakh (armenischer Name für Berg-Karabach) lokale armenische Fürsten de facto autonom. 1805 annektierte Russland das Gebiet. Als Karabach durch den Vertrag von Gülistan 1813 offiziell von Persien an das christlich-orthodoxe Russland fiel, wurde Karabach Teil der Provinz Elisabethpol (heute Gjandscha), dem späteren Aserbaidschan, dessen südlicher Teil noch heute zum Iran gehört. Erst 1828 kam Ostarmenien (mit Nachitschewan) ebenfalls zum Russischen Reich und bildete dann als Armenische Region, später Provinz Jerewan, eine eigene Verwaltungseinheit.
Bereits zu jener Zeit wurde der Grundstein für den heutigen Karabach-Konflikt gelegt, da ein kultur-historisch und ethnisch naheliegender Anschluß Karabachs an die armenische Provinz Jerewan nicht erfolgte. Auch nach der sowjetischen Machtübernahme im Kaukasus wurde dieser Zustand nicht korrigiert. Das Problem besteht bis heute.
Am 2. September 1991 erklärte Berg-Karabach die Unabhängigkeit von Aserbaidschan, das sich seinerseits wenige Tage zuvor einseitig von der UdSSR getrennt hatte. In einem Referendum bestätigten die Karabach-Armenier am 10. Dezember 1991 die staatsrechtliche Trennung von Aserbaidschan. Es kam zum Krieg, in dessen Verlauf Berg-Karabach im Bombenhagel der Armee Aserbaidschans unterzugehen drohte. Daraufhin griff Armenien ein und half, die Aseris zurückzudrängen. Seit dem 12. Mai 1994 ruhen die Waffen. Die Verhandlungen der Minsk-Gruppe bestehend aus USA, Rußland und Frankreich über den zukünftigen Status des Gebietes brachten bisher keinen Durchbruch.
Zur Zeit bildet die Republik Berg-Karabach de facto einen eigenständigen Staat, obwohl das gar nicht gewollt ist. Berg-Karabach kann wohl kaum als unabhängiger Staat überleben. Als einzige Alternative erscheint daher der Anschluß an Armenien. Das wird jedoch nur bei entsprechendem Interessenausgleich mit Aserbaidschan möglich sein.
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Die Briefmarken von Berg-Karabach
Bis zur Ausgabe eigener Briefmarken 1993 wurden noch vorhandene Bestände von UdSSR-Marken verwendet und zwar ohne Aufdruck. Aufgetauchte UdSSR-Marken mit Aufdruck "Arzakh" usw. wurden nicht amtlich ausgegeben!
Am 11. Juni 1993 betrat Berg-Karabach als neues Briefmarkenland die Bühne des Postverkehrs. Vier Werte stellten die de facto unabhängige Republik vor. Es erschienen damals Marken zu 1,- Rubel (Nationalflagge), 3,- Rubel (Arthur Mkrtchian), 15,- Rubel (Nationalmonument) sowie eine Blockausgabe zu 20,- Rubel (Gandzasar-Kirche).
Innnerhalb von zehn Jahren kamen insgesamt zehn Ausgaben, bestehend aus 34 Werten, an die Postschalter. Am 20. Februar 1998 erschien eine Gemeinschaftsausgabe mit Armenien, gedruckt bei Joh. Enschedé in den Niederlanden. Der 20. Februar (1988) gilt als Tag der Wiedergeburt Berg-Karabachs und ist dort offizieller Feiertag.
Marke mit Druckvermerk "Joh. Enschedé" auf dem Bogenrand
Am 16. Februar 2003 wurden voraussichtlich die letzten eigenen Briefmarken der Republik Berg-Karabach ausgegeben. Die Hauptursache für die Einstellung der Ausgabetätigkeit ist wohl das unprofessionelle Verhalten der Postverwaltung von Berg-Karabach im Umgang mit den Herstellern von Briefmarken, was zu deren Rückzug geführt hat. Hinzu kommt, daß selbst die armenische Post sich nicht an der Vermarktung der Karabach-Marken beteiligt, wodurch diese es mehr als schwer haben, ihren Weg zu den Sammlern zu finden. Mit Karabach-Marken ist bislang
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kaum Geld zu verdienen. Das gilt für Hersteller, Händler und wohl auch für die Post selbst.
Die Sammler und der Markt
Nun wird der Markt zudem seit über zehn Jahren verstärkt mit einer kaum überschaubaren Flut von Phantasieprodukten überschwemmt. Das führt leider auch zu einer Art Neuheiten-Allergie bei vielen Sammlern und Händlern, die sich verständlicher Weise in ihrer Not strikt am Inhalt der MICHEL-Kataloge orientieren. Die neueren Schwindelprodukte tragen vornehmlich die Namen von Gebieten der ehemaligen UdSSR. Daß solcher Schwindelkram nicht in den MICHEL-Katalogen zu finden ist, versteht sich wohl von selbst.
250-Dram-Wert von 1998, Gemeinschaftsausgabe: links für Berg-Karabach, rechts für Armenien (MiNr. 329)
Die unten aufgelisteten Briefmarken von Berg-Karabach wurden jedoch amtlich ausgegeben und zeigen allesamt einheimische Motive, durch die der interessierte Sammler viel über dieses Land erfahren kann. Inzwischen liegen mir mehr als ein Dutzend verschiedene Karabach-Marken auf nachweislich echt gelaufenen Briefen vor. Ich selbst habe allerdings erst Mitte 2002 überhaupt von der Existenz solcher Marken erfahren und das, obwohl ich stets nach neuen Briefmarkenländern Ausschau halte. Die Ursache dafür besteht ganz einfach darin, daß man kaum auf die Briefmarken von Berg-Karabach aufmerksam gemacht wird weder in Katalogen noch beim Händler. Wer kommt da schon auf die Idee, es könnte in Berg-Karabach eigene Briefmarken geben und fragt danach? Im MICHEL werden sie nicht katalogisiert, weil sie als Lokalpostmarken gelten.
Daher kommen Sammler zu dem Schluß, daß es dort keine eigenen Briefmarken gibt und wenn doch mal etwas derartiges auftaucht, müsse es wohl Schwindelkram sein. Die Folge sind verunsicherte Sammler und Händler. Letztere bieten in der Regel erst gar keine Kara-
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bach-Marken an, weil kaum ein Sammler sie haben will. Dabei ist es meine feste Überzeugung, daß die Briefmarken von Berg-Karabach in jeder Hinsicht die volle Aufmerksamkeit der Sammler verdienen. Stanley Gibbons in England katalogisiert sie übrigens...
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Leider ist es nicht möglich, im Detail auf die einzelnen Karabach-Marken einzugehen, daher erfolgt hier nur diese kurze Zusammenfassung sowie eine tabellarische Übersicht der Ausgaben. Wer an diesem Gebiet stärker interessiert ist, sollte dies also kundtun.
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Übersicht aller 34 bisher amtlich ausgegebenen Briefmarken von Berg-Karabach der Jahre 1993-2003
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